Spitzenwissenschaft aus Ulm
Die Formulierung der Quantenmechanik vor hundert Jahren hat eine bleibende Grundlage für unser physikalisches Verständnis der Natur gelegt. Das Jahr 2025 wurde durch die UN-Generalkonferenz als "International Year of Quantum Science and Technology" ausgerufen. Mit dieser weltweiten Initiative sollten die bahnbrechenden Beiträge der Quantenwissenschaft zum technologischen Fortschritt der vergangenen 100 Jahre gewürdigt, das globale Bewusstsein für ihre Bedeutung für die nachhaltige Entwicklung im 21. Jahrhundert geschärft und sichergestellt werden, dass alle Nationen Zugang zu Bildung im Bereich der Quantenphysik haben. Insgesamt beteiligten sich 57 Länder an diesem bedeutenden Jahr, das gleichzeitig die international verbindende Wirkung der Wissenschaft betont. In Deutschland übernimmt die Deutsche Physikalische Gesellschaft die Koordination der Aktivitäten des Quantenjahres 2025. Und Ulm gehört schon heute zu den führenden Standorten für Quantentechnologie in Deutschland.
Ulm war die erste Stadt, die als Top-100-Quantenort von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) ausgezeichnet wurde (unser Bild). Anke Kovar vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), beschrieb es so: "Was gerade in Ulm in Sachen Quantenforschung und Quantentechnologie entsteht, ist weltweit einzigartig." Denn das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Universität Ulm zählen zu den weltweit renommiertesten Forschungseinrichtungen in Sachen Quanten.
Die Quantenmechanik ist die Grundlage vieler Quantentechnologien. Erfindungen wie die Magnetresonanztomografie in Kliniken, der Laser, Solarzellen oder kleinste Chips als Grundbausteine von Computern verdanken alle ihre Existenz der Quantenmechanik. Diese und weitere Quantentechnologien geben der wirtschaftlichen Entwicklung neue Impulse und beeinflussen zahlreiche Bereiche des alltäglichen Lebens. Das Quantenjahr unter dem Motto „Quantum2025 – 100 Jahre sind erst der Anfang …“ war in Ulm Auftakt, die Erkenntnisse und Perspektiven der Quantentechnologie einer breiten Öffentlichkeit sichtbar werden. So gab es bis hin zum Quantenfestival im Oktober eine ganze Reihe Veranstaltungen im Zeichen der Quanten direkt in der Stadt - Spitzenwissenschaft und Bürgerschaft haben sich hier begegnet.
Dabei gilt es insbesondere, nach vorne zu schauen: „Nach Ansicht vieler Expertinnen und Experten stehen wir heute an der Schwelle zu einer zweiten Quantenrevolution. Die gewaltigen Investitionen von privaten und öffentlichen Geldgebern zeigen, welch enormes Potenzial den Anwendungen der zukünftigen Quantentechnologien beigemessen wird“, erklärt Dieter Meschede, Koordinator der DPG-Task Force Quantum2025.
© ullstein bild - Roger-Viollet
Das passt: Albert Einstein hat grundlegende Impulse für die Quantenmechanik entwickelt - heuer widmet sich ein ganzes Themenjahr der modernen Quantentechnolgie, die in Ulm bei DLR und Universität angesiedelt ist. So schließt sich gewissermaßen ein Quantenkreis. Der wohl bekannteste Wissenschaftler unserer Zeit, der die Quantenforschung grundlegend beeinflusst hat, wurde am 14. März 1879 in der Bahnhofstraße 20 in Ulm geboren. Albert Einstein lebte wohl nur 15 Monate in der Donaustadt. Seine weit verzweigte Familie jedoch - 18 Cousins und Cousinen Einsteins lebten zeitweise in Ulm - war ein angesehenes und fest verwurzeltes Mitglied der Ulmer Stadtgesellschaft.
Was vielleicht auch die dauerhafte Verbundenheit Einsteins mit seiner Geburtsstadt erklärt, die er in einem Brief an die Ulmer Abendpost am 18. März 1929, kurz nach seinem 50. Geburtstag, folgendermaßen beschrieb: „Die Stadt der Geburt hängt dem Leben als etwas ebenso Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens. So gedenke ich Ulms in Dankbarkeit, da es edle künstlerische Tradition mit schlichter und gesunder Wesensart verbindet."